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BmU: Vorteile für Kunden und Umwelt
herausgeholt
Erkrath, April 2002
Zunächst hielten Bürgermeister, CDU und SPD gar nichts von dem Anliegen
der BmU, die Kostenstruktur der Fernwärme in Hochdahl auf den Prüfstand
zu stellen. Erst die Sammlung von fast 3.000
Unterstützungsunterschriften in der Bevölkerung mit der Androhung eines
Bürgerbegehrens brachte die Wende.
Nachdem sich der Gesetzgeber weigerte für eine Änderung zu sorgen, waren
die Ratsvertreter auf Kompromisse mit der Betreiberfirma Esso Favorit
angewiesen.
Die bisher „ewig“ laufenden Verträge mit starrer Kostenstruktur und
oftmals sinnlos hohem Wärmeanschlusswert bekommen eine maximal 10jährige
Laufzeit. Danach wird (fast) allen Kunden die freie Wahl der
Wärmeanschlusswerte überlassen. Allen Kunden wird eine Kostenstruktur
angeboten, bei der durch einen niedrigeren Grundpreis höhere
Einspareffekte durch Wärmedämmung und geändertem Nutzerverhalten erzielt
werden. Insgesamt soll die künftige mögliche jährliche Einsparung bei
fast einer Million DM jährlich liegen. Den Kunden wird über die
Stadtwerke künftig eine fachgerechte Beratung vermittelt. Wichtig ist,
ohne diese Beratung keine Verträge zu unterschreiben. Leider kommen
nicht alle Kunden sofort in den Genuss der neuen Tarife. Vor allem
Einfamilienhäuser kommen (jedes Jahr ca. 400) in die Lage nach Auslaufen
der Altverträge die günstigeren Tarife abschließen zu können. Besonders
bedauerlich findet die BmU, dass es nicht gelungen ist eine einfache
Lösung für die Mehrfamilienhäuser zu finden. Aus diesem Kundenkreis
stammten der absolut überwiegende Teil der Unterschriften und einige
Kunden halfen aktiv bei der Unterschriftensammlung mit, während sich die
nunmehr finanziell besonders durch die Neuregelung begünstigten
Einfamilienhausbesitzer z.T. auffallend „zurückhielten“. Bei den
Mehrfamilienhäusern gibt es künftig nur Gesamtlösungen und jeder Kunde
sollte mit einer Unterschrift unter neuen Verträgen zögern, bis eine
Strategie für das gesamte Gebäude erarbeitet ist.
Die BmU hat sich mit den 3000 anvertrauten Unterschriften für gerechte
Fernwärmepreise auch an die Europäische Union, die Bundesregierung und
die Landesregierung gewendet.
Der Wettbewerbskommissar der EU hat die Sache geprüft und findet, er sei
nicht zuständig. Die Umweltminister der Bundes- bzw. Landesregierung
Trittin (Grüne) und Höhn (Grüne) kommentierten das Anliegen wohlwollend,
überwiesen das Begehren aber an die zuständigen Wirtschaftsminister.
Das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr
(Ernst Schwanhold, SPD) ignorierte die Bitte der BmU, die Unterschriften
vorlegen zu dürfen. Stattdessen traf man sich mit der Firma Favorit,
hörte diese an und befand schriftlich abschließend, die BmU solle
das Problem selbst lösen.
Das ist angesichts der Rechtsposition der Firma Favorit, gegen die viele
Bürger aus Hochdahl vergeblich klagten, schwer genug. Das
Bundeswirtschaftsministerium sieht ebenfalls keinen Grund, den
Fernwärmekunden zu helfen. Die FDP Erkrath forderte sogar mehrfach, die
BmU solle die Arbeit an dem Projekt einstellen.
Ohne die BmU hätte es gar keinen Fortschritt gegeben, ohne Hilfe des
Gesetzgeber leider nur einen Kompromiss.
Immerhin bieten die Stadtwerke nunmehr eine unabhängige Beratung für
Favorit-Kunden an.
Hintergrund:
Am 06.07.1966 hat die EGH (Entwicklungsgesellschaft Hochdahl) mit der
ESSO (damaliger Eigentümer von Favorit) einen Vertrag über das
Fernheizwerk Hochdahl geschlossen. Laufzeit bis 30.04.2007. Danach gibt
es die zweimalige Option der einseitigen Verlängerung des Vertrages
durch Favorit um jeweils 10 Jahre. Danach Verlängerung bei ausbleibender
Kündigung in Fünfjahresschritten.
Nachtrag:
Nov 2009
Im Januar 2009 hat RWE Energy Favorit gekauft.
Das Fernheizwerk wird mit Erdgas betrieben (Lieferant zurzeit
Stadtwerke).
Hinzu kommt die
Wärmelieferung aus dem Blockheizkraftwerk der Stadtwerke, welches
ansonsten der eigenen Stromerzeugung dient.
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