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Die etwa 200 Bürger, die sich am 18.6.09 um 17:20 in das Bürgerhaus aufgemacht
hatten, um an der Sitzung des PlUV (Ausschuss für Planung-Umwelt-Verkehr) zu den
Bürgeranträgen gegen die Bebauungspläne Kleines Bruchhaus und Neanderhöhe zu
kommen, erlebten in 4 ½ Stunden teils ungläubig, teils aufgebracht, die
klassische Situation der momentanen Erkrather Kommunalpolitik.
In der öffentlichen Anhörung warfen viele Bürger CDU und FDP aufgrund ihres
unbefriedigenden Diskussions- und Argumentationsverhaltens „Arroganz“,
„Ignoranz“, „Trauerspiel“ und „Teilnahmslosigkeit“ vor.
Angesichts fehlender Argumente ging z.B. die FDP-Fraktionsvorsitzende
Berkenbusch mit völlig haltlosen Anschuldigungen verbal gegen oppositionelle
Ausschussmitglieder vor. Der Vorwurf an die BmU, „einen Zaun um Erkrath“ ziehen
zu wollen und „keine neuen Impulse reinzulassen“ mutet ja geradezu absurd an,
wenn man bedenkt, dass die BmU seit mehr als 10 Jahren ein
Stadtentwicklungskonzept (für neue Impulse!) fordert und bislang am Widerstand
von FDP und CDU scheitert.
Und FDP-Mann Baecker erntete bei den Zuhörern mit seiner unqualifizierten
Aussage „Wir lassen Erkrath nicht zum Altersheim verkommen.“ massiven Protest.
Eine unseriöse und inhaltlich offensichtlich gar nicht wirklich gefüllte
Ratspolitik der FDP lässt sich besser nicht aufzeigen.
Gelungen die Replik eines Bürgers darauf war, dass er die geistige Überalterung
einiger Politiker konstatierte, die mit Rezepten aus den 50er/60er Jahren, aus
Zeiten des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums, nun auf die heutigen und
zukünftigen Probleme reagieren wollten, mit einer Politik von gestern.
Die
Alternativen zur Bebauung von wertvollen Landschaftsflächen wie
Neanderhöhe und Kleines Bruchhaus wurden in der Sitzung durch die
Umweltverbände, die IG Erkrath, verschiedene Bürgerstimmen, SPD, Grüne
und Bernhard Osterwind für die BmU vielschichtig aufgezeigt.
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Erkrath muss grün
und somit attraktiv bleiben. Die Bevölkerung braucht Freiräume,
Erholungsräume. Die Bebauung wäre jeweils eine Verschandelung der
Landschaft und ein Frevel.
So ist es z.B. widersinnig, wenn CDU/FDP einerseits für den
begrüßenswerten Masterplan Neandertal stimmen, der dieses
touristisch weiter voran bringen soll, evtl. sogar bis zum
Weltkulturerbe, andererseits aber bis an den Rand des
Naturschutzgebietes bis zu 12 Meter hohe Gewerbehallen entstehen
sollen. Hier wird für die Erstellung des Masterplans Geld
ausgegeben, der durch die Bebauungspläne ad absurdum geführt wird.
Und dazu eine Ironie der Geschichte, dass gerade
CDU-Landesumweltminister Uhlenberg von der CDU die deutliche
Verringerung des Freiflächenverbrauchs in NRW fordert. Zu dumm, dass
das bei der CDU in Erkrath noch nicht angekommen ist.
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Für die BmU
bekräftigte Bernhard Osterwind die Forderung nach einem
Stadtentwicklungskonzept für Erkrath, welches Städtebau,
Umweltschutz, Soziales und alle Generationen in den Blick nehmen
muss.
Angesichts der Stagnation und des zu erwartenden Rückgangs der
Bevölkerung muss der Erhalt der Kultur- und Naturlandschaft und die
Förderung der bestehenden Immobilien das Ziel sein. Selbst die IHK
Mittelstandvereinigung Mettmann spricht sich gegen weitere
Wohngebiete im Kreis und für die Bestandspflege aus. In diesem
Stadtentwicklungskonzept gäbe es die Möglichkeit, dass z.B. junge
Familien beim wärmetechnischen Umbau eines gebrauchten Hauses
unterstützt würden, was wiederum auch eher sinnigerweise den
regionalen Handwerkern zu Gute käme. Oder es wäre sinnvoll, wenn die
Wirtschaftsförderung der Stadt als eine Kontaktbörse zwischen
Mietern und Vermietern von leerstehenden Gewerbeimmobilien aufträte.
Andere Städte machen dies vor. Man (die Politik) muss sich nur
kümmern!
Erkrath muss und kann so seinen Standortvorteil als Stadt im Grünen
aufzeigen, Erkrath als Stadt der vorhandenen Nachbarschaften.
Erkrath als Stadt aller Generationen, angesichts der Finanzlage
benötigt Erkrath geradezu engagierte Ehrenamtler aus allen
Generationen und gesellschaftlichen Gruppen. Alle müssen in ein Boot
geholt werden, um gemeinsam ein Konzept für die Stadt zu entwickeln.
Neubau auf der grünen Wiese dagegen bedeutet, dass vorhandener
Immobilienbestand an Wert verliert und ökologisch wertvolle Flächen
unwiederbringlich zerstört werden. Beides nicht zum Vorteil für die
in Erkrath lebenden Bürger.
Es bleibt die Frage, was (oder wer) CDU und FDP motiviert, dieses
voranzutreiben.
Und das Endergebnis?
Ohne sich die Mühe zu machen, überhaupt greifbare Argumente für die
Bebauungspläne zu liefern, stimmten CDU/FDP gegen die eingebrachten
Bürgeranträge von IG Erkrath und Naturschutzgemeinschaft Neandertal, die
von BmU, Grünen und SPD unterstützt worden waren.
Und
dann die letzte Krönung:
Selbst eine, von der BmU beantragte, fiskalische Analyse zu den
Erschließungsplanungen wurde von schwarz-gelb ohne jedes Wort (!)
jeweils abgelehnt.
Bedeutet: CDU und FDP halten es noch nicht einmal für nötig, vorher zu
prüfen, ob sich die Erschließung eines Baugebietes für den städtischen
Haushalt überhaupt lohnt oder ob die Stadt, d.h. der Steuerzahler,
draufzahlt.
Selbst anwesende CDU-Mitglieder zeigten Verwunderung über solch ein
Verhalten, wie unbedarft von CDU und FDP mit öffentlichen Geldern
umgegangen wird.
Bis
zum Ende waren etwa 120 Bürger geblieben, um sich dieses traurige aber
trotzdem spannende Schauspiel anzusehen, von dem, wie einige nachher
anmerkten, man in der Presse eigentlich viel zu wenig erfahren würde.
Christian Ritt
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