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Die BmU schenkt Hauptschule einen "Korbinian"-Apfelbaum
- als Dankeschön und als Beitrag zur Gedenk-Kultur: gegen Unterdrückung, Diktatur und Nationalsozialismus -
Oktober 2017

Auf dem Schulgelände der Carl-Fuhlrott-Hauptschule fährt in den Ferien ein PKW mit Anhänger vor. Aus der Ladefläche ragt ein ca. 4 m langer Stamm mit kaum noch belaubten Ästen heraus.

Das heranrollende Fahrzeug wird schon erwartet. Wolfgang Schriegel von der BmU übergibt den Baum an die Firma Hamacher, welche die fachgerechte Pflanzung auf dem Schulhof im Auftrag der Stadt übernimmt.

Bernhard Osterwind  - Fraktionsvorsitzender der BmU im Stadtrat – hatte schon im März im Schulleiterinbüro zusammen mit der Schulleiterin  Karin Malzkorn und dem Tiefbauamtsleiter Heinz-Peter Heffungs Pläne geschmiedet.

Der Baum ist ein Dankeschön der BmU an die Carl-Fuhlrott-Hauptschule in Hochdahl, in welcher  die BmU seit vielen Jahren regelmäßig ihre Fraktionssitzungen abhalten kann und deren pädagogische Arbeit sie besonders schätzt.

So erfahren die Anwesenden, dass die BmU die Bereitstellung eines Korbiniansapfels  vorschlägt, eine Züchtung, die nicht leicht zu bekommen war. Mehrfach sagten Lieferanten ab.

Gezüchtet wurde diese Sorte von dem katholischen Geistlichen Korbinian Aigner, der seinen Widerstand im Dritten Reich mit Gefängnis und Schutzhaft – diese zuletzt im KZ Dachau – bezahlen musste. Eine Äußerung während des Religionsunterrichtes wurde ihm zum Verhängnis. Während der Zwangsarbeit in Dachau legte Pfarrer Aigner verbotener Weise eine kleine Zucht von Apfelbäumchen an, die er aus Kernen jener Äpfel entwickelte, die ihm treue und wohlgesonnene Gemeindemitglieder in die Haft schickten. Bei der Räumung des Lagers Dachau im Frühjahr 1945, als alle Insassen auf den berüchtigten Todesmarsch geschickt wurden, konnte Pfarrer Aigner sogar vier seiner in der Haft gezüchteten Bäumchen mitnehmen und konnte diese aufziehen, nachdem ihm glücklich die Flucht während des Todesmarsch gelungen war. Er nannte sie KZ eins, KZ zwei, KZ drei und KZ vier. Ein Schüler von Korbinian Aigner nannte KZ 3 nach dem Tod von Aigner in Korbiniansapfel um.

Was liegt angesichts dieser Entstehungsgeschichte dieses Apfelbaumes näher, als im Jahr des 500. Gedenkens an die Reformation von 1517 an den Luther zugeschriebenen Satz zu denken: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“

Damit verweist dieses Geschenk an die Schule auch darauf, dass die Zucht des Korbinian Apfelbaumes eine politische Stellungnahme gegen Diktatur und Unterdrückung und ein Plädoyer für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ist.

Die BmU leistet damit anlässlich des Reformationstages ihren Beitrag zur Erinnerungskultur.

Dankenswerter Weise hat Herr Heffungs für die Stadt Erkrath zugesagt, die fachgerechte Einpflanzung und Betreuung dieses Geschenkes zu übernehmen.

Nach den Ferien wird die Schulgemeinde den Baum sicher auf „fruchtbringende Weise“ in Besitz nehmen.

Ernst Eumann/Bernhard Osterwind